SkF Lippstadt
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Qualifizierung 2018

Presseartikel zum Fachtag vom 13.03.2018:

Rund 100 Menschen waren der Einladung des SkF Lippstadt zum Trauma-Fachtag gefolgt.

 

Es erwartete sie im Cartec ein fachlich höchst fundierter Vortrag zur Entstehung und Wirkung von Traumata. Mit Lutz-Ulrich Besser vom Zentrum für Psychotraumatologie und Traumatherapie Niedersachsen (zptn) stand dem Fachpublikum aus Pflegeeltern und MitarbeiterInnen von sozialen Diensten ein Referent zur Verfügung, der über fundierte praktische Erfahrung in der psychotherapeutischen Arbeit mit traumatisierten Menschen verfügt.

 bb trauma prsi

 

Belastende Situationen und Schreckmomente, die ein Mensch erlebt, können zu einem Trauma werden, wenn keine adäquaten Bewältigungsmechanismen zur Verfügung stehen und das Erlebte lebensbedrohend wirkt. Dieses gilt für Naturkatastrophen, aber insbesondere für von Menschen verursachte traumatische Ereignisse. Besonders gravierend, so Besser, sei hier die Gewaltanwendung von Eltern gegenüber ihren Kindern. Kinder können alleine nicht überleben; sie benötigen Bindung, Schutz und Zuwendung. Sind die Eltern die Täter, stürzen sie das Kind in eine ambivalente Situation: Kinder können nicht ohne Bindung überleben, notfalls auch zum Täter, benötigen aber Schutz und Wärme, um sich gut entwickeln zu können, werden aber gerade von diesen wichtigen Bezugspersonen im Stich gelassen und bedroht. In dieser Ambivalenz dissoziieren Kinder als Überlebensstrategie, d.h. Erinnerungsfragmente werden isoliert im Gehirn abgespeichert. Viele aggressive Reaktionen oder andere Verhaltensauffälligkeiten im späteren Leben können auf traumatische Erlebnisse zurückgeführt werden. Ein Mensch nimmt im Alltag einen Reiz/Trigger wahr, z.B. einen Duft, ein Geräusch, Erinnerungsfragmente tauchen plötzlich im Bewusstsein auf und reaktivieren die alten Gefühle von damals. Hier bedarf es feinfühliger Reaktion z.B. der Pflegeeltern, um Kindern aus dieser bedrohlich empfundenen Situation heraus zu helfen. Kinder brauchen dann das Signal, nicht allein zu sein, dass jemand ihre Not erkennt und sie nicht hilflos der Situation ausgesetzt sind.

Neue, positive Bindungserfahrung, wie Kinder sie z.B. in Pflegefamilien erleben, können einem traumatisierten Kind Sicherheit geben – die wichtigste Voraussetzung, um langfristig das Trauma bearbeiten zu können. „Sie alle leisten eine tolle Arbeit“, anerkennt Besser die Arbeit von Pflegefamilien und Fachleuten im Umfeld mit traumatisierten Kindern. „Kinder brauchen Eltern, aber nicht zwingend ihre leiblichen“, so Besser.

In seinem lebendigen und mit sehr viel Praxiserfahrung gespickten Vortrag bezog Lutz Besser mehrfach Position zur aktuellen Situation von Kindern in unserer Gesellschaft. „Materieller Besitz ist bei uns besser geschützt“, so die kleine Spitze auf die Ankündigung von benachbarten Geschäften, dort geparkte PKW von TeilnehmerInnen abzuschleppen, „als Kinder aus familiären Kriegsgebieten in Sicherheit zu bringen“. Brauche es hier lediglich eines Abschleppwagens und der private Grund ist wieder frei von widerrechtlichen Parkern, so sei es in unserer Gesellschaft doch sehr schwierig, Kinder aus „familiären Kriegsgebieten“ in Sicherheit zu bringen. Das Erleben von Gewalt, körperlich wie seelisch, in der Familie (und dieses häufig regelmäßig und über viele Jahre) würde, so seine Einschätzung als Gutachter bei Familiengerichten, oftmals nicht ausreichen, um Kinder in Obhut zu nehmen. Es müssten erst sichtbare Spuren von Gewalt erkennbar sein. Doch auch das Erleben seelischer Gewalt, emotionaler Vernachlässigung und Augenzeugenschaft hinterlasse tiefgreifende Spuren in der Entwicklung kindlicher Gehirne und somit in der Persönlichkeitsentwicklung, die das Kind nachhaltig negativ beeinflussen.

Unser Land, so Besser, brauche ein stärkeres Kinderrecht, damit nicht das Elternrecht dominiere, sondern der Schutz der Kinder mehr Gewicht bekommt. Traumatische Erlebnisse bilden einen guten Nährboden für spätere Verhaltensauffälligkeiten, Suchtproblematiken, Straffälligkeit uvm.. Nicht nur der individuelle Schaden für das Kind sei erheblich, auch der damit verbundene volkswirtschaftliche Aufwand. Wichtig sei auch für alle mit traumatisierten Kindern Tätige das Wissen, dass jede heute gern beschönigend als kreativ bezeichnete Verhaltensauffälligkeit ihre Wurzeln habe. Diese gilt es ernst zu nehmen und dem Kind mit Wertschätzung und Verständnis zu begegnen, statt rein zu sanktionieren. Im Alltag ist das sicher nicht immer einfach. Um an dieser Herausforderung weiter zu arbeiten, plant der SkF Lippstadt für das kommende Jahr einen Praxistag mit Lutz Besser, um sich methodisch weiter für die Arbeit mit traumatisierten Kindern zu stärken.

Die Mittagspause wurde unterhaltsam belebt durch die Servöse Else Mögesie, die neben ihren serviererischen Fertigkeiten in der Pause anschließend die TeilnehmerInnen mit Gesang aus dem uhrzeitmöglichen Mittagstief heraus und in den 2. Teil des Fachtages hinein geleitete.