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Qualifizierung 2017

Lippstädter Tageszeitung "Der Patriot" vom 24.04.2017:

Familienprojekt: Mutter und Töchter betreiben zusammen Großtagespflege

Von Katharina Beule Bökenförde 

Von außen sieht das kleine gelbe Häuschen in der Meinwerkstraße in Bökenförde ganz unscheinbar aus – im Inneren jedoch herrscht volle Hütte. In der Kindertagespflege „Nesthäkchen“ betreuen Nadine Neitemeier, Monika Hinzen und Sabrina Münsterteicher gemeinsam neun Kinder. Aber wie wird man eigentlich Tagesmutter? Und welche Wege gibt es in den Beruf?

Heute haben die drei alle Hände voll zu tun. Neun Kinder im Alter bis etwa drei Jahren wollen bespaßt, gewickelt und auch schon mal getröstet werden. Langeweile kommt da jedenfalls nicht auf. „Das macht den Beruf ja so schön“, sagt Nadine Neitemeier. Hier werden die Kinder in einem familiären Rahmen betreut – im Falle von „Nesthäkchen“ gleich im doppelten Wortsinn. Denn: Nadine Neitemeier gründete die Kindertagespflege im August 2014 gemeinsam mit ihrer Mutter Monika Hinzen. Im Januar stieß Schwester Sabrina Münsterteicher hinzu. Ein kleines Familienunternehmen also. Und die drei Power-Frauen zeigen mit ihren verschiedenen beruflichen Hintergründen auch, wie vielfältig der Berufseinstieg ist.

Nadine Neitemeier arbeitete zuvor als Gruppenleitung in einer Kindertagesstätte. „Schon mit 16 hatte ich den Wunsch, irgendwann eine eigene kleine Kita nach meinen persönlichen Vorstellungen zu haben“, sagt sie und lächelt dabei. Gesagt, getan: Nach einem Kurs machte die 28-Jährige sich schließlich als Tagesmutter selbstständig und gründete im August 2014 gemeinsam mit ihrer Mutter die Großtagespflege „Netshäkchen“ – damals noch in Lipperode. Es gebe viele Wege in die Kindertagespflege, erklärt Dorothee Großekathöfer vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), der im Auftrag der Stadt die Plätze vermittelt, aber auch die Qualifizierung und Weiterbildung begleitet. „Der Klassiker ist, dass in der Privatwohnung bis zu fünf Kinder betreut werden“, sagt sie. Man könne aber aus allen Berufen quereinsteigen, fügt Anita Balkenhol, ebenfalls vom SkF hinzu. Es gebe auch Modelle, bei denen sich mehrere Tagesmütter zusammenschließen, die sogenannte Großtagespflege. Egal welches Modell, die Voraussetzung ist immer ein Qualifizierungskurs. Monika Hinzen war begeistert von der Idee ihrer Tochter. Die 52-jährige gelernte Bürokauffrau wollte schon immer etwas im sozialen Bereich machen, sagt sie. „Erst habe ich gesagt, ich mache für meine Tochter das Büro und koche für die Kinder“, sagt sie lächelnd. „Und jetzt bin ich mittendrin.“ Im Vorfeld habe sie intensiv mit ihrem Mann überlegt, ob sie die Selbstständigkeit stemmen kann. „Man kann diese Entscheidung schließlich nicht ins Blaue hinein treffen“, sagt sie.

Dem stimmt auch Dorothee Großekathöfer zu. Schließlich seien Tagespflegepersonen selbstständig – ein großer Schritt. Darum stehe der SkF gerade am Anfang den Tagesmüttern in spe mit Rat und Tat zur Seite. „Der Vorteil ist natürlich, dass man sich seine Kunden aussuchen kann“, sagt sie. Im Januar dieses Jahres stieß dann Sabrina Münsterteichner dazu. Die 30-Jährige bezeichnet sich selbst als „Quereinsteigerin mit eigenen Kindern“.

Die gelernte Industriekauffrau habe durch ihre eigenen Kinder bemerkt, wie viel Freude es ihr macht, sich mit Kindern zu beschäftigen. „Am Anfang haben wir nur rumgescherzt, aber dann wurde es immer ernster“, sagt sie. Sie schätzt auch, dass der Beruf flexibel und gut mit der Familie kombinierbar ist. „Wir wohnen in der Nachbarschaft“ sagt sie. „Mein Sohn kommt oft zum Mittagessen her.“ Für das Trio ist ihre Großtagespflege ein echtes Herzprojekt. Und das merkt man dem liebevoll eingerichteten Haus an: helle Farben, kindgerechte Einrichtung, viel Platz zum Spielen und individuelle Betreuung. Die wird übrigens großgeschrieben. Denn die Eltern machen den Vertrag nicht mit der Einrichtung, sondern mit der Tagesmutter direkt. „So haben die Kinder eine feste Bezugsperson“, erklärt Anita Balkenhol. Davon profitieren die Kinder, sind sich die drei Tagesmütter einig. Und Monika Hinzen fügt hinzu: „Manchmal sagen die Kinder sogar Oma Kita zu mir.“  n  kty