Lippstädter Tageszeitung "Der Patriot" vom 04.05.2017

"Frühe Hilfen": Beim Netzwerk-Treffen geht's um Schwangerschaft und Geburt

Die Periode bleibt aus, der erste Gedanke: Schwanger. Vielleicht ist die Freude groß – oder der Schock. „Der erste Gang führt dann meistens zum Frauenarzt“, erzählt Dr. Daniel Schröer. Er ist einer der Referenten, die beim ersten Netzwerktreffen „Frühe Hilfen in Lippstadt“ sprachen. Thema des Treffens waren die Hilfen rund um den Zeitpunkt von Schwangerschaft und Geburt.

Frühe Hilfen, das sei kein spezifischer Hilfetypus, erklärte Kerstin Werner von der Stadt Lippstadt. Vielmehr solle die Hilfe von der Schwangerschaft bis hin zum dritten Lebensjahr des Kindes reichen. Mit dem Netzwerk soll ein Austausch zwischen den verschiedenen Beratungsstellen, Einrichtungen und Ämtern geschaffen werden. Wie Werner erklärte, wisse nicht jeder, was der andere mache. Ziel des Netzwerkes sei es, eine Präventionskette zu schaffen, denn wenn die Arbeit des einen erledigt sei, heiße das nicht, dass keine Hilfe mehr benötigt werde. Hilfsbedürftige sollen so weiter vermittelt werden können.

Frauenarzt Schröer wünscht sich beispielsweise mehr Schwangerschaftsberatung in seiner Praxis. Mit Hebammen arbeitet der Gynäkologe bereits zusammen, da diese oftmals „einen anderen Blick auf die Schwangeren haben“. Auch Inka Krohn berichtete über ihre Arbeit als Hebamme in der Geburtsklinik am Ev. Krankenhaus. Die Situation der Hebammen sei „schlecht“, vor allem bei der Nachsorge. Freiberufliche Hebammen seien zudem rar. Bis August seien die Geburtshelferinnen bereits ausgebucht. Es sei schwierig, den Frauen „adäquat etwas an die Hand zu geben“, vor allem bei der Nachsorge, so Krohn.

Familienhebammen können länger helfen

Wer für die Nachsorge auf die Hilfe einer Hebamme nicht verzichten will, kann sich auch an Familienhebammen wenden. Diese helfen nicht nur bis zur zwölften Woche nach der Geburt, sondern können bis zum ersten Lebensjahr des Kindes in Anspruch genommen werden. Die Familienhebammen sind flexibler, was ihre Aufgabenbereiche und Handlungsfähigkeiten angeht, und auch das Stundenkontingent kann mit den Betroffenen nach Absprache verlängert oder gekürzt werden.

Eine weitere „frühe Hilfe“ bietet die Schwangerschaftsberatung. In Lippstadt gibt es drei Stellen, an die sich Betroffene wenden können: Awo, Donum vitae und SkF. Die Schwangerschaftsberatung hilft von der Familienplanung bis zum dritten Lebensjahr des Kindes, aber auch bei Schwangerschaftsabbruch. Die Beratungsstelle sei sehr breitgefächert aufgestellt und könne bei fast allen Fragen helfen, hieß es. Wer die Beratung in Anspruch nehmen möchte, könne dies kostenlos machen, diese sei „für jedermann da“, berichtet Christiane Schirk. Da die Mitarbeiter der Schweigepflicht unterliegen, können die Menschen ganz offen reden. Was die Zusammenarbeit mit anderen Stellen angehe, seien die Beratungsstellen gut vernetzt.

Das nächste Treffen des Netzwerks soll im Herbst stattfinden. Thema wird dann das erste Lebensjahr des Kindes sein. Auch Anbieter der frühen Hilfen stellen sich wieder vor.  n  ld