SkF Lippstadt
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Lippstädter Tageszeitung "Der Patriot" vom 11.05.2017:
Von Eckhard Heienbrok LIPPSTADT n  Wahlkampf mal anders: Bei ihrer Lippstadt-Visite verzichtete Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gestern Morgen gänzlich auf Wahlkampfreden, sondern war vielmehr ganz Ohr. Die SPD-Politikerin, seit 2010 Chefin der rot-grünen Landesregierung, besuchte auf der „Sozialmeile“ Cappelstraße gleich drei Einrichtungen, die sich der Arbeit mit Menschen verpflichtet fühlen: die Kia-Kaffeestube, den Treff „Cap 27“ des SkF und den SkM.

 

 

Sie sei „fasziniert“ von der „gut aufeinander abgestimmten Zusammenarbeit der drei Einrichtungen mit den jeweiligen Zielgruppen“, zog die 55-Jährige gegenüber unserer Zeitung ein sehr positives Fazit ihrer 75-minütigen Tour. Und lobte insbesondere die ehrenamtlichen Mitarbeiter in allen drei Institutionen, die „mit viel Herzblut dabei“ seien und eine für die Gesellschaft unverzichtbare Arbeit leisteten.

„Give me five“ der Ministerpräsidentin: Bereits zum fünften Mal war Kraft gestern in Lippstadt. 2003 war sie noch Wissenschaftsministerin, 2010, 2012 und 2014 auf Wahlkampftour; zuletzt unterstützte sie die Lippstädter SPD-Landtagsabgeordnete Marlies Stotz bei der Bürgermeisterwahl. Standen damals die „schönen Ecken“ (Stotz) an, sei die „Sozialmeile“ Cappelstraße „vielleicht nicht das Schönste, aber ganz wichtig“.

Eineinviertel Stunden nimmt sich Hannelore Kraft Zeit, lässt sich die verschiedenen Projekte vorstellen. Sie erkundigt sich nach dem jeweiligen Angebot, fragt nach der Mitwirkung von Ehrenamtlern und deren zeitlicher Belastung. Eine Landesmutter auf Augenhöhe, eine Politikerin, die sich kümmert – so die Botschaft. Der Wahlkampf, sagt sie im „Cap 27“, ist für sie, weil der Terminplan es dann zulasse, eine „gute Gelegenheit, nach draußen zu gehen und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen“. Als der schwarze Audi der Ministerpräsidentin um kurz nach halb zehn vor der Kia hält, warten dort bereits die ersten Menschen auf die Lebensmittelausgabe. Drinnen lässt sich Kraft vom Vorsitzenden Christian Schoen das Angebot der vor zwei Jahren deutlich vergrößerten Kia erläutern, die täglich von 150 bis 200 Menschen aufgesucht und von einem Team von 70 Ehrenamtlern gestemmt wird – und erfährt von Pfarrer Christoph Peters, dass es ein „Kraftakt“ war, die quasi insolvente Kia am neuen Standort wieder auf Kurs zu bringen, dass „wir nun aber finanziell ganz gut klar kommen“, wie Hartmut Befeldt auf eine Frage von Kraft sagt. An der Mittagstisch-Ausgabe spricht die Regierungschefin mit einem dort aushelfenden 30-Jährigen, der hofft, dass dies sein Sprungbrett in einen regulären Job ist. Weil die Kia derzeit einen Koch sucht, ermuntert sie („Ich kann ja nicht so gut kochen“) die Medienvertreter, dem Verein dabei doch zu helfen.

Nächste Station: das „Cap 27“ des Sozialdienstes kath. Frauen. Geplant als Ort, Menschen aus zwei Pastoralverbünden zusammenzubringen, kamen, als auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise Ehrenamtler gesucht wurden, „ganz andere Menschen“, berichtet Gemeindereferentin Irmgard Sandfort. Heute sind 40 Helfer vorwiegend in der Flüchtlingsarbeit aktiv. Dass die Stelle für deren Koordination zeitlich befristet ist, veranlasst Hannelore Kraft, Kritik an der „Projekteritis“ zu üben.

„Ohne Ehrenamt würde es nicht gehen“

Hier wie an den anderen Besuchsstationen dankt die gelernte Volkswirtin, die selbst übers Ehrenamt zur Politik gekommen ist, den freiwilligen Helfern für ihren Einsatz. „Ohne Ehrenamt würde das nicht gehen“, gerade in der Flüchtlingsarbeit. Und sie spricht ein „heikles Thema“, wie sie sagt, an: dass nämlich Flüchtlingsfrauen anders als die Männer häufig nicht die Sprachkurse besuchten. „Das geht nicht, Sprache ist wichtig.“ In diesem Zusammenhang spricht sie sich für ein Zuwanderungsgesetz aus, das es Menschen auch außerhalb der Asyl-Frage ermöglichen soll, legal nach Deutschland einzureisen.

Weiter geht’s – draußen macht SPD-Chef Jens Behrens noch schnell ein Selfie mit der Regierungschefin – zur letzten Station auf der 210 Meter langen „Sozialmeile“: dem Sozialdienst kath. Männer (100 hauptamtliche Mitarbeiter, bis 250 ehrenamtliche Kräfte). Dort nutzt – als einzige von Krafts Gesprächspartnern an diesem Morgen – Geschäftsführerin Gabriele Leifels die Gelegenheit, die Ministerpräsidentin auf Probleme hinzuweisen.

Bei den gesetzlichen Betreuungen gebe es immer mehr schwere Fälle, die Ehrenamtlern nicht übertragen werden könnten, sagt Leifels. Es sei mehr Geld fürs Hauptamt nötig, damit die Mitarbeiter nicht so viele Fälle übernehmen müssten. „Da muss ich noch mal hinterher“, verspricht sich Kraft zu kümmern.

Beim Gespräch mit zwei Wohnungslosen bedeutet Kraft („Nicht alle rein“) dem gut 20-köpfigen Tross, draußen zu warten. „Wie sind Sie da reingerasselt?“, fragt sie die beiden Männer, die aus unterschiedlichen Gründen aus einer normalen bürgerlichen Existenz abgerutscht sind. Wenige Minuten später wünscht die 55-Jährige ihnen „alles Gute für Ihren Lebensweg“ und steigt in die vor der Tür wartende Limousine. Der nächste Termin steht an – in vier Tagen und sieben Stunden schließen die Wahllokale.