SkF Lippstadt
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Qualifizierung 2018

Pressemitteilung zum Vortrag:
Familien und „Kind-sein“ in der Welt“
Mit Sandra de Vries
(Ethnologin und Trainerin für interkulturelle Kompetenz), Münster

 

 

 „Eigentlich sind wir alle Menschen“
Vortrag zum Thema Familien und „Kind-sein“ in der Welt“


„Eigentlich sind wir alle Menschen und das verbindet uns. Alle Menschen wollen essen, schlafen, wohnen und ihre Kinder gut großziehen“, so die einfache Formel von Sandra de Vries, Ethnologin und Trainerin für interkulturelle Kompetenz aus Münster, die auf Einladung des SkF im Cap27 einen spannenden Vortrag hielt. Aber in der Art und Weise, wie wir essen – mit Messer und Gabel, Stäbchen oder den Fingern – oder wie wir unsere Kinder großziehen, liegen die Unterschiede, die das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen nicht immer leicht und reibungslos macht.

De Vries nennt zwei wesentliche Kriterien, die das Denken und Handeln von Menschen wesentlich prägen: lebe ich in einer individualistischen -Ich- Gesellschaft oder einer kollektivistischen – Wir- Gesellschaft. Westliche Gesellschaften sind ganz klar Ich-Gesellschaften: das Individuum ist wichtig und Kinder werden schon früh auf Selbständigkeit hin erzogen. Ziel von unserer Erziehung ist es, dass unsere Kinder eigenständig denkende und handelnde Individuen werden, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen und auf eigenen Füßen stehen. Familie nach unserem Verständnis bezieht sich auf das Zusammenleben von 2 Generationen: Elternteil und Kind. Sind noch Großeltern mit im Haushalt, bezeichnen wir dieses bereits als Großfamilie.

In kollektivistischen – Wir – Gesellschaften wird Familie anders definiert und greift viel weiter als unser Familienverständnis. Zur Familie zählen hier alle Angehörigen, die noch benannt werden können. Onkel und Tanten haben einen anderen Stellenwert und ihre eigene Aufgabe in diesem Komplex und sind, wie alle anderen Familienangehörigen, in Entscheidungen mit eingebunden. Nicht der Einzelne entscheidet, sondern die Familie als Ganzes. Hier ist Familie alles.
Auf die Frage, was ihre Gäste aus anderen Kulturen denn sehen wollten, so Sandra de Vries, erhielte sie häufig die Antwort: Kindergarten und Altenheim. Warum das? Dass Kinder in die Betreuung fremder Menschen übergeben werden, oder die alten Menschen nicht in der Familie versorgt werden, ist für Menschen aus Wir-Gesellschaften heraus nicht nachvollziehbar. Familie ist für Familie da und unterstützt sich gegenseitig; können die Eltern sich nicht um ihre Kinder kümmern, springt ganz selbstverständlich jemand innerhalb der Familie ein. Genauso ist es mit der Pflege alter Familienangehöriger. Hier ist es ebenfalls Aufgabe, es als Familie zu leisten und nicht die alten Menschen mit ihrem Erfahrungsschatz und Familienwissen in fremde Hände zu übergeben. Unsere Konzepte von Kita, Pflegefamilie und Altenheim gibt es in anderen Kulturkreisen so nicht.


Wenn man also die „kulturelle Brille“ aufsetzt und das Leben mal aus einer anderen Perspektive betrachtet, nämlich der einer anderen Kultur, wird manches nachvollziehbar und das Zusammenleben einfacher. Mit viel neu gewonnenem Wissen und neuen Impulsen endete der Abend im Cap 27. „Es ist wichtig, über den Tellerrand zu schauen und nicht unsere Sicht als die einzige und richtige zu aufzufassen“, so das Resumee einer Teilnehmerin.