SkF Lippstadt
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Qualifizierung 2019

Lippstädter Tageszeitung "Der Patriot" vom 17.01.2019:
von Carolin Cegelski

 Frauen und Familien in schwierigen Lebenssituationen finden beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Unterstützung: „Da sein, leben, helfen“

 

lautet das Motto des SkF in Lippstadt. Und zwar seit 1919. Am 22. Juli gründeten Katholikinnen den Ortsverein, um sich für Frauen in Not stark zu machen. Jetzt feiert der Verein das hundertjährige Bestehen.

 Lippstadt – Es ist der 22. Juli 1919. Elisabeth Zillken ist nach Lippstadt gekommen, um über ihre Arbeit beim katholischen Fürsorgeverein zu berichten. Auch in Lippstadt gibt es gefallene Mädchen, die Rat, Hilfe und Fürsorge benötigen. Bereits 1906 hatten Lippstädterinnen Kontakt zu der Dortmunderin Agnes Neuhaus, Gründerin des SkF, aufgenommen, um in der Lippe-Stadt einen Ortsverein zu gründen. Dann kamen die Wirren des Ersten Weltkrieges dazwischen. 1919 ist es dann aber soweit.

Die Idee der Frauen – damals wie heute: „Da sein für Menschen in Not – egal welcher Herkunft, welcher Nationalität“, sagt Ute Stockhausen, Geschäftsführerin des SkF Lippstadt. „Aber die Aufgaben haben sich weiterentwickelt.“

Die Angebote werden gebraucht – damals wie heute. Rat und Hilfe, Schwangerschaftsberatung, Vormund- und Pflegschaften, der Pflegekinderdienst, Angebote der Kindertagespflege, das Wohnhaus Klusetor für Frauen in schwierigen Lebenssituationen, Familienbegleiter (LiFaBi), Ersatz-Großeltern (LiSeKind), die Bewohnerzentren Am Rüsing und an der Juchaczstraße, das Cap 27 – das Angebot des SkF ist breit gefächert. Es ist mit Nachfrage und Bedarf gewachsen.

Das zeigt sich nicht nur an der Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter (es sind derzeit 44) und der rund 45 Menschen, die sich ehrenamtlich beim Sozialdienst katholischer Frauen engagieren. Auch die Statistik zeigt es. 2018 haben 225 schwangere Frauen erstmals beim SkF Rat gesucht. Hinzu kommen zahlreiche Frauen, die bereits ein Kind zur Welt gebracht haben, und das Angebot weiter nutzen. „Die Beratungen laufen mittlerweile bis zum dritten Lebensjahr des Kindes“, weiß Stockhausen. Bis 2000 war auch die Schwangerschaftskonfliktberatung möglich, dann sagte der Bischof Stopp. „Eine Entscheidung, die damals heftig diskutiert wurde.“ Und Konsequenzen für die SkF-Arbeit hatte: Es gab einen komplett neuen Vorstand.

Ein weiterer großer Bereich: Rat und Hilfe. 151 Klientinnen listet die Statistik 2018. „Wir sind eine Anlaufstelle für Menschen, die etwas auf dem Herzen haben“, sagt Stockhausen. Die Themen, die bearbeitet werden: „Alles, was das Leben einem vor die Füße wirft.“ Gemeinsam wird nach Lösungen gesucht, „geguckt, wie man andere Einrichtungen in Lippstadt einbeziehen kann“, so Stockhausen. Die Fragestellungen geben aber auch Ideen für neue Projekte: Das Angebot Lippstädter Familienbegleiter (LiFaBi), derzeit engagieren sich elf Ehrenamtliche, ist deshalb entstanden, weil Familien längerfristig Unterstützung brauchten. Das Projekt LiSeKind (Lippstädter Senioren für Kinder), eine Kooperation mit der Stadt Lippstadt, vermittelt Ersatz-Großeltern. Derzeit engagieren sich zwei Ehrenamtliche. „Es ist eine andere Art der Familienanbindung“, so Stockhausen. Das Projekt sei bei Familien gefragt, bei Ehrenamtlichen hingegen weniger. „Viele Engagierte haben gerne einen klaren Arbeitsauftrag.“

Auch wenn Kinder aus verschiedenen Gründen nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern leben können, hilft der SkF weiter: 36 Jungen und Mädchen hat der Verein 2018 in Kooperation mit verschiedenen Jugendämtern in Pflegefamilien vermittelt, 59 Kinder wurden in 42 sogenannten westfälischen Pflegefamilien, ein Modell in Kooperation mit dem Landschaftsverband (LWL), untergebracht. „Die Arbeit des Pflegekinderdienstes hat viele Facetten“, so Stockhausen. „Von der Bereitschaftspflege in akuten Situationen bis hin zur Sonderpflege für Kinder, die zusätzlich noch ein besonderes Päckchen zu tragen haben, schwerst vernachlässigt oder misshandelt wurden.“

Für Frauen in schwierigen Lebenssituationen unterhält der SkF seit 1996 das Wohnhaus Klusetor mit Platz für acht Frauen: „Das Angebot ist immer voll belegt.“ Die Mietzeiten werden individuell ausgehandelt, bei Bedarf gibt es Unterstützung beim „Start in ein neues Leben“.

Auch bei der Vermittlung von Kindertagespflege unterstützt der SkF. „Der Bereich ist in den letzten Jahren explodiert“, sagt die Geschäftsführerin. „Wir haben einen unheimlichen Zulauf.“ 2018 hat der SkF 180 Kinder an 50 Tagespflegepersonen vermittelt. Im Bereich Kindertagespflege habe sich viel geändert, aber auch der demografische Wandel spiele eine Rolle. „Ich verstehe nicht, wie sich die Statistiker so vertun konnten“, sagt Stockhausen mit Blick auf den Boom.

Darüber hinaus bietet der SkF verschiedene „niedrigschwellige“ Angebote an – von der Hausaufgabenbetreuung in den Bewohnerzentren, über das Cap 27 mit Begegnungsangeboten wie den Sonntagsfrauen, Kleiderlädchen und dem Café Krabbeldecke. Neu dabei: „Du im Fokus“ – ein Angebot in den Bewohnerzentren für Jugendliche, die vor dem Übergang von Schule zum Beruf stehen. „Es geht darum, Perspektiven zu finden, positive Erfahrungen zu sammeln und zu sehen: ‘Mensch, ich kann was’.“

Ohne Sponsoren und Engagement wäre das vielfältige Angebot nicht zu stemmen: „Die Arbeit lebt vom Ehrenamt.“ Damals wie heute.

Mit Agnes Neuhaus begann die Fürsorge für gefallene Mädchen

Das Gesicht hinter dem SkF: Agnes Neuhaus

Sie ist das Gesicht des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Deutschland: Agnes Neuhaus. 1899 gründete sie in Dortmund den Verein zum guten Hirten, der heute Sozialdienst katholischer Frauen heißt. Es ist ihre Berufung, sich für die Belange von Frauen, Kindern und Familien einzusetzen. Agnes Neuhaus – die in einer gut situierten, gläubigen Familie aufgewachsen ist, wohlhabend geheiratet hat – kümmert sich um Frauen am Rand der Gesellschaft. Frauen, die keine Perspektive haben, ihr Geld als Prostituierte verdienen, uneheliche Kinder zu Welt gebracht haben. Engagierte unterstützen Neuhaus bei ihrer Arbeit. „Diese Frauen leiteten damals eine Bewegung ein, mit der sie Pionierdienste für das gesamte deutsche Wohlfahrtswesen leisteten“, schrieb die damalige Vorsitzende Felicitas Drummen im Grußwort zum 75-jährigen Bestehen des SkF in Lippstadt. Die Arbeit der Frauen nahm stetig zu, der Erfolg war groß. Um weitere Vereine nach dem Vorbild der Dortmunder Ortsgruppe zu gründen, wurde 1901 eine einheitliche Satzung beschlossen, ein neuer Name festgelegt: Aus dem Verein zum guten Hirten wurde der katholische Fürsorgeverein für Mädchen und Frauen. 1903 gab es bereits 13 Ortsgruppen, Agnes Neuhaus war die erste Vorsitzende des Zentralvorstandes. Einen Posten, den sie bis zu ihrem Tod am 20. November 1944 im Alter von 90 Jahren innehatte. Neuhaus war maßgeblich an der Ausgestaltung des Jugendwohlfahrtsgesetzes beteiligt, der Grundlage für die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland.


Jubiläumsfeier

„100 Jahre ist doch kein Alter ...“ – unter diesem Motto feiert der Sozialdienst katholischer Frauen das 100-jährige Bestehen. Los geht’s am Sonntag, 5. Mai, um 19 Uhr mit einem Dankgottesdienst in St. Nikolai. Nach einem Festakt für geladene Gäste hält die Ethnologin Sandra de Vries am Montag, 6. Mai, einen Vortrag zum Thema „Lippstadt. Deutschland. Die Welt – Frauenbilder weltweit“. Dabei geht die Münsteranerin verschiedenen Fragen zum Rollenbild der Frau in anderen Kulturen nach. „Welches Bild haben wir von der Rolle der Frau in anderen Kulturen und wie ist es wirklich? Wo sind die Unterschiede? Wo sind die Gemeinsamkeiten?“ Der Vortrag beginnt um 14 Uhr in der Jakobikirche. Interessierte sind zu der Veranstaltung willkommen.


Geburtstagsgeschenk

„100 Jahre, 100 Mitglieder“ wünscht sich der Sozialdienst katholischer Frauen als Geschenk im Jubiläumsjahr. „Anfang 2017 haben wir eine Werbekampagne an den Start gebracht, mit dem Ziel, zum 100. Geburtstag hundert Mitglieder zu haben“, erklärt SkF-Geschäftsführerin Ute Stockhausen. „Wir sind auf einem guten Weg.“ Um die Hundert voll zu machen, fehlen dem Verein derzeit noch elf Mitglieder.

 

www.skf-lippstadt.de


Straßenname

Professor Dr. Helene Venema war 1919 die erste SkF-Vorsitzende. Aktuell wird in Lippstadt über einen Vorschlag des Heimatbundes beraten, eine Straße nach ihr zu benennen. Ein entsprechender Antrag wurde dem Schul- und Kulturausschuss vorgelegt. Helene Venema war nicht nur die erste SkF-Vorsitzende, sie war auch eine der ersten Stadtverordneten Lippstadts. Sie engagierte sich im Ausschuss für Armenwesen und Stiftungen, Schulangelegenheiten und für die städtische Fürsorge.