SkF Lippstadt
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Lippstädter Tageszeitung "Der Patriot" vom 01.02.2019:
von Carolin Cegelski

 Nicht alle Kinder können bei ihren leiblichen Eltern groß werden.

 

Einige Mädchen und Jungen wachsen in Pflegefamilien auf. Wie es ist, ein Kind aufzunehmen, das nicht das leibliche Kind ist, und wie man zu Pflegeeltern wird – darum geht es in dieser Geschichte.

„Andere Eltern haben neun Monate Zeit, um sich auf ihre Rolle vorzubereiten, wir hatten vier Wochen“, erinnert sich Alexandra Hesse*, an den Tag im Jahr 2005 zurück, der ihr Leben, und das ihres Mannes Christian, auf den Kopf stellt: Sie werden Eltern. Eltern von Paul. Paul ist sechs Jahre alt, lebt bei Bereitschaftspflegeeltern und braucht eine Familie, die ihm Halt gibt. Etwas, das seine leiblichen Eltern nicht können.

„Gott, was waren wir aufgeregt“, sagt Alexandra. „Schaffen wird das? Ein Junge in diesem Alter? Eigentlich hatten wir uns ein jüngeres Kind gewünscht“, erinnert sie sich. „Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen.“ Doch schon am nächsten Tag sind die Bedenken aus der Welt, es steht fest: Das kinderlose Paar möchte Paul aufnehmen, dem kleinen Jungen eine Chance auf eine unbeschwerte, liebevolle Kindheit geben. Sie treffen ihren Sohn auf dem Spielplatz, besuchen ihn bei der Pflegemutter. „Er war sehr offen, hatte sofort einen guten Zugang zu meinem Mann.“

Paul zieht bei Familie Hesse ein und erlebt etwas, was er bisher nie erfahren durfte: ein Familienleben. „Anfangs hat er nur Drei-Wort-Sätze gesprochen, hatte nie Familienrituale kennengelernt, noch nie einen Weihnachtsbaum gesehen“, erinnert sich Alexandra. Ihr Mann bleibt in der ersten Woche zu Hause, Alexandra, die gerade eine neue Arbeitsstelle angetreten hat, arbeitet in Teilzeit weiter. Paul wird eingeschult.

Die Familie wächst weiter: Paul bekommt einen Bruder – Johannes. Auch er ist ein Pflegekind, 20 Monate alt, als die Hesses ihn in ihr Herz schließen. „Seine Mama war sehr jung. Sie hat die Bedürfnisse ihres Kindes nicht gesehen“, sagt Alexandra.

Die Familie bekommt Unterstützung von Familie und Freunden. Die Großeltern nehmen die Kinder wie ihre Enkel auf. Trotzdem ist es für die Familie nicht immer leicht. Paul macht die Pubertät zu schaffen, die traumatische Erfahrung mit seinen leiblichen Eltern spielt dabei auch eine Rolle. Er hat Probleme in der Schule. „Es gab Phasen, da haben wir gedacht, wir schaffen es nicht“, erinnert sich Alexandra. Dank fachlicher Unterstützung, dem Verständnis der Lehrer und Mitschüler klappt es doch immer wieder. „Wir haben viele Gespräche geführt, ich habe viel gelesen und manchmal hilft auch Bewegung dabei, den Kopf freizubekommen“, sagt Alexandra und lacht.

Leibliche Eltern, Pflegefamilie – die Kinder machen keinen Unterschied, nennen ihre Pflegeeltern Mama und Papa. Auch Alexandra macht keinen Unterschied – Paul und Johannes sind ihre Kinder: „Auf die Elternrolle kann man sich nicht vorbereiten. Jedes Kind ist anders – egal ob es ein leibliches Kind ist oder nicht. Man wächst in seine Rolle hinein“, findet sie. „Kinder brauchen ganz viel Liebe, ganz viel Zuneigung, positive Familienstrukturen, viel Verständnis und bedingungsloses Vertrauen, um einen guten Start hinzulegen“, ist sie sich sicher. Etwas, das die Hesses ihren Kindern mit auf den Weg gegeben haben, Paul ist mittlerweile 20 Jahre alt, Johannes 12 Jahre alt.

Den Weg, den Familie Hesse gegangen ist, haben Heike Biel und David Landmann noch vor sich. Sie haben gerade ihren „Elternführerschein“ gemacht: „Ich komme aus einer großen Familie, aber mit eigenen Kindern hat es nicht geklappt“, sagt Heike Biel. „Kinder wären die Kirsche auf der Sahnehaube“, sagt ihr Partner David. „Wir hatten beide eine tolle Kindheit und es gibt so viele Kinder, die so etwas nicht haben“, erklärt er, warum sich das unverheiratete Paar dazu entschlossen hat, sich als Pflegeeltern zu bewerben.

Ein Infogespräch beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Lippstadt bestätigt das Paar in seiner Entscheidung: „Ich bin völlig unbedarft mitgegangen und war positiv überrascht“, erinnert sich David Landmann. „Anschließend hatte ich das Gefühl, das Richtige zu tun.“

Sieben Monate Vorbereitung liegen hinter ihnen. Eine Zeit, während der über vieles gesprochen wurde. Eine Zeit, die ihr Leben bereichert, die Beziehung des Paares gefestigt hat. „Es ist eine sehr gute Erfahrung“, sagen die beiden rückblickend.

Die werdenden Pflegeeltern sind bereit. Angst haben sie nicht davor, Eltern zu sein: „Ein Kind ist jeden Tag aufs Neue eine Wundertüte – es gibt bei jedem Kind schlimme Tage, auch bei leiblichen Kindern“, ist sich David sicher. „Natürlich wäre es schön, wenn mich unser Kind von Anfang an als Superhelden sieht“, sagt David und lacht. „Ich lasse mich aber auch auf kleinere Sachen ein.“

*Um die Kinder und die Pflegefamilien zu schützen, wurden alle Namen von der Redaktion geändert.


Veranstaltungen

„2x Mama, 2x Papa, 1x ich“ lautet das Thema einer Veranstaltung

am Donnerstag, 7. Februar, um 19.30 Uhr, beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) im Cap 27,
Cappelstraße 27
, in Lippstadt.

Bei dem Vortrag gibt es Informationen rund um das Thema Pflegefamilie.

Am Freitag, 22. Februar, besteht von 15 bis 18 Uhr die Möglichkeit zum Austausch mit Pflegeeltern – beim Info-Café „Pflegefamilie sein“. Das Treffen findet ebenfalls im Cap 27 statt.

Weitere Infos und Anmeldung, Tel. (0 29 41) 2 88 81 20.