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Qualifizierung 2019

Lippstädter Tageszeitung "Der Patriot" vom 01.02.2019:
von Carolin Cegelski

 Pflegeeltern werden in Lippstadt gesucht: Ein Gespräch über Voraussetzungen, Rechte und Pflichten

 

Wenn ein Kind in einer Pflegefamilie untergebracht wird, ist das oft der letzte Ausweg. Pflegefamilien werden gesucht – auch in Lippstadt. Was es bedeutet, ein Kind aufzunehmen, und welche Voraussetzungen nötig sind, erklären Sozialarbeiter Dieter Horenkamp und Sozialpädagogin Christina Wolter vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Dort kümmert sich ein zwölfköpfiges Team darum, Kinder in Pflegefamilien zu vermitteln.

Wer kann ein Pflegekind aufnehmen und wie funktioniert das?

Menschen, die eine entsprechende Ausbildung haben, können Pflegekinder aufnehmen. „Das müssen nicht ausschließlich verheiratete Paare sein, auch gleichgeschlechtliche Paare und Einzelpersonen können ein Kind aufnehmen“, erklärt Teamleiter Dieter Horenkamp.

Wie werden Pflegeeltern auf ihre neue Rolle vorbereitet?

„Die Vorbereitung dauert so lange wie eine Schwangerschaft.“ Nach einem Infogespräch stehen Einzel- und Gruppengespräche sowie eine Wochenendveranstaltung an. Die Bewerber bekommen Hausaufgaben. Sie müssen einen Bewerberbogen ausfüllen, einen Lebenslauf abgeben, eine Lebensbeschreibung anfertigen. Dabei geht es zum Beispiel um den Rückblick auf die eigene Erziehung. Außerdem müssen potenzielle Pflegeeltern eine Gehaltsabrechnung abgeben und ein Foto. „Das Erscheinungsbild kann ein Grund dafür sein, warum ein Kind nicht in einer bestimmten Familie untergebracht wird, zum Beispiel wenn der Pflegevater große Ähnlichkeit mit dem leiblichen Vater des Kindes hat und es in der Familie misshandelt wurde“, erklärt Horenkamp. „Darüber hinaus benötigen wir ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und ein medizinisches Zeugnis, um sicherzustellen, dass die Bewerber keine lebensbedrohlichen und psychischen Krankheiten haben“, sagt Sozialpädagogin Christina Wolter. „Je besser wir Pflegeeltern kennenlernen, desto besser können wir einschätzen, welches Kind zu der Familie passt.“

Wann wird ein Kind in einer Pflegefamilie untergebracht?

Bei Vernachlässigung, sei es in emotionaler oder materieller Form, bei Misshandlung, Überforderung der Eltern, psychischen Erkrankungen oder wenn Mutter und Vater verstorben und das Kind verwaist ist. „Das ist zwar nicht so häufig, aber das gibt es auch“, weiß Horenkamp. „Wir erleben eine unglaubliche Bandbreite an Gründen. Auch wenn wir denken, uns kann nichts mehr überraschen, ist dem nicht so.“

Werden die Kinder durch das Jugendamt vermittelt oder gibt es auch Fälle in denen überforderte Eltern sich selbst melden?

Das Jugendamt stellt den Bedarf fest. Es entscheidet darüber, ob eine Pflegefamilie die richtige Maßnahme für ein Kind ist. Manchmal ist auch die Unterbringung in einem Heim die richtige Wahl – zum Beispiel, wenn das Kind nicht bindungsfähig ist. „Es ist auch schon vorgekommen, dass sich eine Mutter bei uns gemeldet hat. In dem Fall haben wir sie an das Jugendamt verwiesen. In der Regel sind die Jugendämter aber schon informiert. Die Herausnahme des Kindes aus der Familie ist der letzte Schritt. Vorher kommt der Familie jegliche Hilfe zu“, erklärt Horenkamp das Vorgehen.

Welche Rechte und Pflichten haben Pflegeeltern?

„Pflegeeltern sind die Spezialisten für ihr Kind“, sagt Horenkamp. „Wir stellen das Fachwissen zur Verfügung und erwarten, dass Eltern bereit sind, sich auf Beratung einzulassen, um für ihr Kind die beste Förderung möglich zu machen, so lange bis die Kinder eine eigenständige Persönlichkeit sind“, erklärt Wolter. Mit Blick auf Rechte dürfen Pflegeeltern darüber entscheiden, wie der Alltag gestaltet wird. Hat das Kind einen Vormund, sorgt der SkF dafür, dass die Eltern eine Vollmacht bekommen – zum Beispiel wenn es um die Zustimmung zu einer Operation geht, die akut notwendig ist. Bei einer langfristig geplanten Operation kann es sein, das die leiblichen Eltern informiert werden möchten. Beim Ohrlochstechen oder einer Taufe liegt die Entscheidung bei einem rechtlichen Vertreter oder dem Gericht.

Gibt es finanzielle Unterstützung für die Pflegeeltern?

Die Eltern bekommen Pflegegeld, das den Unterhalt des Pflegekindes sicherstellt. Darüber hinaus gibt es einen Erziehungsbeitrag.

Gibt es in Lippstadt genügend Pflegefamilien oder mangelt es daran?

„Wir suchen immer Pflegefamilien“, sagt Horenkamp. „Das hängt allerdings auch mit dem Konzept zusammen. Auch wenn sich fünf Familien um ein Pflegekind bewerben und wir für drei Kinder eine Familie suchen, heißt das nicht, dass die passende Familie dabei ist. Wir müssen überzeugt sein und ein gutes Bauchgefühl haben“, so Horenkamp. „Deshalb können wir nie genug Pflegefamilien haben – und zwar in jedem Bereich.“ Darüber hinaus sei es wichtig, dass es nicht nur in Lippstadt, sondern auch in der Umgebung Pflegefamilien gebe. „Gerade am Anfang ist es wichtig, die Möglichkeit zu haben, Kinder in umliegenden Städten unterzubringen.“ Die Kooperation mit anderen Städten sei gut.

Haben Pflegefamilien die Möglichkeit, ein Pflegekind zu adoptieren?

„Ein Kind kann nur dann adoptiert werden, wenn es zur Adoption freigegeben ist“, erklärt Horenkamp. Die leiblichen Eltern müssen zustimmen. „Eine Adoption kommt etwa alle drei bis vier Jahre einmal vor.“ Die leiblichen Eltern können ihr Kind auch nicht einfach zurückfordern. „Ein Kind hat ein Anrecht auf Kontinuität.“


Werden Pflegefamilien begleitet?

Vor einem Überfall „Achtung, Kontrolle“ müssen Pflegeeltern keine Angst haben. „Allerdings begleiten wir die Familien intensiv und engmaschig“, sagt Dieter Horenkamp. Regelmäßige Besuche gehören dazu. „Und bei Bedarf sind wir natürlich immer da. Es geht nicht um Kontrolle, sondern darum, welche Unterstützung das Kind braucht.“

Zahlen

2018 wurden beim Sozialdienst katholischer Frauen 36 Kinder im Rahmen einer Dauerpflege betreut. 59 Kinder wurden in sogenannten „Westfälischen Pflegefamilien“ untergebracht – ein spezielles Angebot des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), das ermöglicht, geistig und körperlich behinderte Kinder in Pflegefamilien unterzubringen. In der Bereitschaftspflege zählte der SkF 2018 3553 Belegungstage.


Kontakt

„Kinder brauchen Familie“: Interessierte, die sich über die Möglichkeit, ein Pflegekind aufzunehmen, informieren möchten, können sich an den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Lippstadt wenden, Telefon (0 29 41) 2 88 81 12.

 

Nachgefragt
Auflagen für Pflegeeltern sind hoch

 Es sind furchtbare Anschuldigungen – in Lügde (Kreis Lippe) soll ein Mann gemeinsam mit zwei Komplizen 23 Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren in mehr als 1000 Fällen sexuell missbraucht haben. Laut Bericht der Kreispolizeibehörde Lippe soll unter den Opfern auch die Pflegetochter des 56-Jährigen sein, mit der er als Dauercamper auf einem Campingplatz gelebt haben soll. Alleinerziehend mit Pflegekind auf dem Campingplatz – wäre das auch in Lippstadt möglich?

„Das kann eigentlich nicht passieren“, sagt Stadtsprecherin Miriam Schleifer. Die Auflagen seien hoch. „Pflegeeltern durchlaufen ein Bewerberverfahren. Dies dauert in der Regel ca. zehn Monate“, erklärt Jugendamtsleiterin Helga Rolf. „Die Pflegeeltern werden durch Gespräche und Bewerberwochenenden auf die Aufgabe vorbereitet.“ Voraussetzung ist ein polizeiliches Führungszeugnis, finanzielle Sicherheit und das Vorhandensein einer geeigneten Wohnung mit ausreichend Platz für das Kind. Auch wenn Verwandte sich um ein Kind kümmern, werde die Eignung geprüft.

Einmal jährlich finden Hilfeplangespräche mit dem Jugendamt statt, bei Sonderpflegestellen (für Kinder mit besonderem Zuwendungsbedarf) zweimal. „Die Familien werden darüber hinaus regelmäßig vom Pflegekinderdienst begleitet“, so Rolf. In Lippstadt übernimmt dies der SkF. „Die meisten Kinder haben ferner einen Vormund, da die Eltern in der Regel die elterliche Sorge nicht ausüben können. Ein Vormund ist verpflichtet, mindestens zehnmal im Jahr Kontakt mit dem Kind zu haben.“

Die Stadt kümmert sich um 74 Kinder, Jugendliche und junge Volljährige, die Hilfen erhalten.