SkF Lippstadt
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Qualifizierung 2019

Lippstädter Tageszeitung "Der Patriot" vom 28.02.2019:

 Serie 100 Jahre SkF: Rat und Hilfe, Ehrenamt, Prozessbegleitungen -  Ein Geländer zum Festhalten
VON CAROLIN CEGELSKI

Eine belastende Partnerschaft, eine komplizierte Familiensituation, eine Schwangerschaft, der Übergang vom Klinikaufenthalt zurück in den Alltag, Wohnungslosigkeit: Wenn Frauen sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden und nicht wissen, wo sie leben sollen, finden sie am Klusetor 4 eine Anlaufstelle. Dort unterhält der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) ein Wohnhaus für Frauen. Es ist ein Ort, an dem sie an ihren Problemen arbeiten und den Kompass ihres Lebens neu ausrichten können.

230 Frauen, die dringend eine Wohnung brauchten, haben seit 1997 aus den unterschiedlichsten Gründen im Wohnhaus Klusetor gelebt – im Alter von 17 bis über 70 Jahren, viele mit einer psychischen Erkrankung. „Hier können die Frauen in Ruhe ankommen, wieder zu sich selber finden“, sagt Dr. Marlies Wigge. Sie leitet das Wohnhaus und kümmert sich gemeinsam mit drei Frauen ehrenamtlich um die Organisation – von der Hausverwaltung über die Mietverträge, die Planung von Renovierungsarbeiten bis hin zu individueller Unterstützung: Elisabeth Grzelka, Regina Zacharias und Elke Happe.

„Es ist ein niedrigschwelliges Wohnungsangebot“, erklärt Marlies Wigge. „Allerdings: „Ein Frauenhaus sind wir nicht“, ergänzt Elisabeth Grzelka. Und auch kein Therapieangebot. Einziehen dürfen die Frauen am Klusetor nur auf Zeit. Acht möblierte Zimmer (eines davon ist ein Familienzimmer für Frauen mit Kind) stehen zur Verfügung. Küche, Bad und Gemeinschaftsraum werden wie in einer Wohngemeinschaft geteilt. Die Frauen haben einen Mietvertrag auf Zeit (je nach persönlicher Perspektive), zahlen Miete, versorgen sich selbst und müssen sich – genau wie in einer Wohngemeinschaft – an Hausregeln halten.

Das Klusetor-Team entscheidet – wenn freie Plätze zur Verfügung stehen – darüber, wer einziehen darf und wer nicht. Die vier Frauen hören sich die Sorgen der Frauen ganz genau an. 30 Anfragen gab es 2018, 19 Frauen sind am Ende tatsächlich eingezogen. Manchmal reicht ein Gespräch nämlich schon aus, manchmal überlegen es sich die Frauen auch wieder anders: „Viele brauchen in ihrer Not jemanden zum Ausheulen“, erklärt Elke Happe. „Dass Frauen die Möglichkeit haben, ins Wohnhaus zu ziehen, stärkt manchmal ihre Verhandlungsposition in der Familie, mache bekommen aber auch kalte Füße und kommen erst gar nicht.“

Wer einzieht, bekommt am Klusetor 4 nicht nur eine sichere Bleibe, die Frauen bekommen auch Unterstützung, damit sie an ihren Problemen arbeiten und „möglichst bald wieder ihren Weg gehen können“, erklärt Marlies Wigge. Eines haben alle Frauen gemeinsam – die Frage: „Wie ist mein weiterer Lebensweg?“, sagt Elke Happe. Gerade bei jungen Frauen sei das ein Thema. „Manche Frauen haben enorme Schwellenängste, viele auch ein sehr angekratztes Selbstbewusstsein.“

Unterstützung gibt es deshalb zum Beispiel bei Behördengängen, der beruflichen Zukunftsplanung, Haushaltsberatung („Etwas, dass die Frauen nicht immer gelernt haben“, sagt Regina Zacharias), manchmal reicht ein Gespräch bei einer Tasse Tee. Es ist ein Anstoß: „Nicht wir können die Frauen ändern, nur sie selbst können sich ändern“, sagt Marlies Wigge. „Wir sind das Geländer an der Brücke, laufen müssen die Frauen selber, aber sie haben wen zum Festhalten.“

Die Frauen, die im Wohnhaus Klusetor leben, sind zwischen 17 Jahren („nur in Ausnahmefällen“) und 70 Jahre alt. „Das Alter reicht von bis“, sagt Elke Happe. Eine große Gruppe, die das Angebot in Anspruch nimmt, sind junge Frauen um die 18 Jahre. „Die älteste Bewohnerin war über 70 Jahre alt“, erinnert sich Elisabeth Grzelka. Die Frau trennte sich nach mehreren Anläufen kurz vor der Goldenen Hochzeit von ihrem Ehemann. „In so mancher Lebensgeschichte gibt es immer wieder Brüche“, so Grzelka. Während der Zeit im Wohnhaus Klusetor stellte sich schließlich heraus, dass der Übergang in eine seniorengerechte Wohnform, die richtige Lösung für die Frau war. Allerdings: „Die Plätze wachsen nicht auf Bäumen.“ Ebenso wie bezahlbare Wohnungen auf dem freien Wohnungsmarkt. „Eine Wohnung zu finden, wird für die Frauen zunehmend schwierig.“

Jubiläumsjahr

„Da sein, leben, helfen“ lautet das Motto des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Lippstadt. 2019 feiert der Verein das hundertjährige Bestehen. Rat und Hilfe, Schwangerschaftsberatung, Vormund- und Pflegschaften, der Pflegekinderdienst, Angebote der Kindertagespflege, das Wohnhaus
Klusetor für Frauen in schwierigen Lebenssituationen, Familienbegleiter (LiFaBi), Ersatz-Großeltern (LiSeKind), die Bewohnerzentren Am Rüsing und an der Juchaczstraße, das Cap 27 – das Angebot des SkF ist breit gefächert. Wir stellen die Bereiche zum Jubiläum vor.

Baustein der sozialen Landschaft

1997 fanden die ersten Frauen – ganz genau 7 – im Wohnhaus Klusetor eine Wohnung auf Zeit. Grund dafür: die Nachfrage nach Unterkünften für Frauen in Notsituationen. Der Sozialdienst katholischer Frauen hatte zu diesem Zeitpunkt gerade das Hildegardisheim verkauft, konnte das Geld in neue Projekte investieren. Hildegard Feiter, damalige SkF-Vorsitzende, hob das Konzept aus der Taufe und leitete das Haus. Im Laufe der Jahre ist das Haus am Klusetor 4 ein „wichtiger Baustein der sozialen Landschaft“, sagt die jetzige Leiterin Dr. Marlies Wigge. Schon 2007 zählte die Statistik mehr als hundert Bewohnerinnen, 2017 waren es mehr als 200. Mittlerweile haben 230 Frauen das Angebot in Anspruch genommen. Im Laufe der Zeit hat sich das Gesicht des Hauses verändert: die Böden wurden ausgetauscht, ein Bad erneuert, Kühlschränke für die Zimmer angeschafft. Möglich gemacht wird die Arbeit unter anderem durch Spenden.