SkF Lippstadt
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Qualifizierung 2019

Lippstädter Tageszeitung "Der Patriot" vom 12.03.2019:

 Serie 100 Jahre SkF: Rat und Hilfe, Ehrenamt, Prozessbegleitungen – Ein Kind ist eine große Aufgabe
VON CAROLIN CEGELSKI

 

Lippstadt – Es sind zwei Striche, die das Leben auf den Kopf stellen: ein positiver Schwangerschaftstest. Wenn sich alles verändert, sind Begleiter gefragt. Beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) sind Ute Heukamp und Anita Balkenhol Ansprechpartnerinnen, wenn es um Schwangerschaftsberatung geht – seit 40 Jahre gibt es das SkF-Angebot.

Untersuchungen, Geburt, Elterngeldanträge, der Alltag mit dem Kind, Krisen, Konflikte mit Partner und Familie, finanzielle Hilfen, die Organisation des Alltags, Risikoschwangerschaften, der Tod eines Säuglings – die Themen, die die Schwangerschaftsberaterinnen (von Beginn der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr des Kindes) mit ihren Klienten beackern, sind vielfältig. „Jeder Mann und jede Frau hat das Recht darauf, sich in Fragen der Sexualaufklärung, Familienplanung und Schwangerschaft beraten zu lassen“, sagt Anita Balkenhol. Scheine für einen Schwangerschaftsabbruch stellt die Beratungsstelle aber nicht aus.

336 Personen – ganz genau: 335 Frauen und einen Mann – hat das Team 2018 beraten, 1104 Beratungsgespräche geführt. „Leider haben Männer oft nicht auf dem Schirm, dass sie das Angebot auch nutzen können, um sich zum Beispiel über ihre Rechte als Vater zu informieren“, sagt Anita Balkenhol. Zum Beispiel dann, wenn die Beziehung in die Brüche gegangen ist. „Für das Kind ist es durchaus wünschenswert, beide Elternteile als Ansprechpartner zu haben“, sagt Ute Heukamp. Schließlich seien Mutter und Vater in der Verantwortung für das Kind – auch wenn die Beziehung zerbrochen ist.

„Es ist eine große Aufgabe, ein Kind anzunehmen“, sind sich die beiden Beraterinnen einig. „Eine Schwangerschaft zieht einem den Boden unter den Füßen weg – positiv wie negativ“, sagt Anita Balkenhol. Es ist eine Situation, in der sich alles verändert. Die Eltern haben plötzlich eine neue Aufgabe, etwas, wo sie selbst reinwachsen müssen, etwas, das sie sich zutrauen müssen: ihr Kind. „In solch einer Situation darf man Ängste haben – auch nach der Schwangerschaft.“

Mit einer Schwangerschaft kommen viele Fragen auf – ein wichtiger Aspekt und ein oft besprochenes Thema: die finanzielle Situation. Wie geht’s weiter? Wovon werde ich leben können? Was ist mit Elternzeit? Und was passiert, wenn ich während der Schwangerschaft krank werde und nicht mehr arbeiten gehen kann? „Die Rahmenbedingungen der Arbeitswelt machen es zunehmend schwer“, sagt Ute Heukamp. Besonders Frauen hätten oft ungeschütztere Arbeitsverhältnisse, befristete Verträge, kleine und begrenzte Einkommen. Nach der Geburt sei der Druck höher, schneller wieder ins Berufsleben einzusteigen. Aber auch junge Mütter, die zum Beispiel noch in der schulischen Ausbildung sind, können sich bei Fragen rund um Bafög, Hilfen bei der Erstausstattung, Unterstützung beim Thema erste eigene Wohnung, Anträgen und Co. an das Team wenden. „Wir informieren, geben konkrete Hilfestellung und wissen auch, welche öffentlichen Möglichkeiten genutzt werden können“, sagt Ute Heukamp.

Hilfestellung gibt’s auch beim Thema Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft, wenn bei Kindern bereits vor der Geburt eine Erkrankung festgestellt wurde und allen Fragen, die sonst rund um das Thema auftauchen. Durch die Beratung könnten Frauen aufgefangen und Perspektiven entwickelt werden – auch in Kontakt mit dem Netzwerk anderer Beratungsangebote, die Beraterinnen verstehen sich als Türöffner. Auch wenn das Kind auf der Welt ist: „Jede Mutter hat das beste Bestreben für ihr Kind“, sind sich die Beraterinnen einig. Der Vorsatz sei manchmal nur schwer zu verwirklichen.

Übrigens sind Ute Heukamp und Anita Balkenhol auch in Schulen und Firmen unterwegs, um über Sexualaufklärung, Lebens- und Familienplanung zu informieren. Außerdem bietet das Team Online-Beratung an und ist unter Tel. (0 29 41) 2 88 81 25 erreichbar.

Jubiläumsjahr

„Da sein, leben, helfen“ lautet das Motto des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Lippstadt. 2019 feiert der Verein das hundertjährige Bestehen. Rat und Hilfe, Schwangerschaftsberatung, Vormund- und Pflegschaften, der Pflegekinderdienst, Angebote der Kindertagespflege, das Wohnhaus
Klusetor für Frauen in schwierigen Lebenssituationen, Familienbegleiter (LiFaBi), Ersatz-Großeltern (LiSeKind), die Bewohnerzentren Am Rüsing und an der Juchaczstraße, das Cap 27 – das Angebot des SkF ist breit gefächert. Wir stellen die Bereiche zum Jubiläum vor.

Vertrauliche Geburt

Die vertrauliche Geburt ist eine Möglichkeit für Schwangere, um ein Kind anonym, aber medizinisch sicher auf die Welt zu bringen. Seit 2014 ist diese Art der Geburt gesetzlich verankert. Frauen, die ihr Kind vertraulich zur Welt bringen möchten, müssen ihre Identität einmalig gegenüber einer Schwangerschaftsberaterin preisgeben. Sie ist an die gesetzliche Schweigepflicht gebunden, nimmt die Daten der Mutter auf und hinterlegt diese sicher. Denn: Bei einer vertraulichen Geburt können die Kinder mit 16 Jahren die Identität der Mutter und damit ihre Herkunft erfragen (nur in besonderen Fällen bleiben die Mütter anonym). Die Mutter bekommt ein Pseudonym, unter dem sie in einem Krankenhaus entbinden kann. Anschließend meldet die Beraterin das Kind beim Standesamt an. Dann nimmt das Jugendamt das Kind in Obhut, kümmert sich um die Adoption. „Im Kreis Soest gab es vielleicht ein bis zwei vertrauliche Geburten“, sagt Anita Balkenhol. „Genaue Zahlen sind nicht bekannt.“ Die vertrauliche Geburt sei vor allem in einer anonymen Großstadt eine Option für Schwangere, die keine Perspektive sehen. Schließlich dürfe niemand von der Schwangerschaft erfahren.