SkF Lippstadt
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Qualifizierung 2019

Lippstädter Tageszeitung "Der Patriot" vom 17.04.2019:

 Serie 100 Jahre SkF: Rat und Hilfe, Ehrenamt, Prozessbegleitungen – Da sein für fremde Kinder
VON CAROLIN CEGELSKI

Lippstadt – Wenn Minderjährige nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können, brauchen sie einen Vormund. Beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Lippstadt ist die Vormundschaftsarbeit ein wichtiger Schwerpunkt – bereits seit der Gründung des Vereins.

Die Eltern sind verstorben, haben aus verschiedensten Gründen das Sorgerecht verloren, sind zum Beispiel krank oder leben – wie im Fall von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen – in einem anderen Land: Für 120 Mündel haben die fünf Vormunde vom Sozialdienst katholischer Frauen 2018 die elterliche Sorge übernommen.

„Ein Vormund hat alle Rechte, die Eltern haben“, erklärt SkF-Geschäftsführerin Ute Stockhausen. Sie sind die Vertreter der Eltern – so lange, bis die Mädchen und Jungen volljährig sind. Und zwar nicht nur, wenn die Kinder bereits auf der Welt sind. Manchmal beginnt die Vormundschaft bereits im Mutterleib. „Der Entzug des Sorgerechtes ist das letzte Mittel, das dem Familiengericht zusteht – es ist der letzte mögliche Schritt“, erklärt Vormund Susanne Langkowski. „Vorher werden verschiedenste Hilfsangebote gemacht.“

Die Vormunde des Sozialdienstes katholischer Frauen werden persönlich vom Gericht bestellt. Sie sind für das Wohl des Kindes verantwortlich, dazu verpflichtet, regelmäßig Kontakt zu dem Kind zu halten, und darüber zu berichten. Im Schnitt kümmert sich jeder Vormund um 45 bis 50 Kinder, berichtet Vormund Benjamin Tobias Klee. Mehr dürfen es nicht sein. Die Grenze ist seit 2011/2012 gesetzlich festgeschrieben. Grund dafür: der Tod von Kevin aus Bremen. Das Kind, damals gerade zwei Jahre alt, wurde tot geprügelt. Vom eigenen Vater. Obwohl es unter dem Schutz des Jugendamtes, des Amtsvormundes, stand.

Der Vormund sollte – so die Aufgabe – eine „konstante Größe im Leben eines Kindes sein“, erklärt Susanne Langkowski. „Es geht darum, eine Beziehung zum Mündel aufzubauen, verlässlicher Ansprechpartner zu sein“, ergänzt Benjamin Tobias Klee. „Und explizit für die Interessen des Mündels eintreten“, sagt Ute Stockhausen. „Wir entwerfen Lebenspläne für die Mündel, ähnlich wie für eigene Kinder“, so Susanne Langkowski. „Ziel ist es, sie für ein eigenverantwortliches Leben zu befähigen.“ Damit das klappt, müssen Vormunde Entscheidungen treffen, Reibungen aushalten.

Der Arbeitsalltag ist vielfältig – ebenso wie die Aufgaben. „Jeder Tag ist anders“, sagt Vormund Wilfried Berlin. Die ruhige Minute am Schreibtisch gibt es für einen Vormund nur selten. Telefonate mit den Mündeln, Jugendamt, Behörden, Heimleitungen, Pflegefamilien, Gerichtstermine, Kontakt zu den leiblichen Eltern, Termine mit Banken, Fortbildungen, Supervision: „Morgens sitzen wir auf dem Spielteppich, abends kaufen wir Schuhe für den Abschlussball“, sagt Susanne Langkowski. Es gibt immer etwas zu tun und zu besprechen. „Wenn’s irgendwo brennt, bleibt alles andere liegen“, erklärt Ute Stockhausen. „Die Krisen kommen im Leben von Kindern mit gebrochener Biografie“, erklärt Susanne Langkowski. Deshalb haben die Mündel immer einen direkten Draht zu ihrem Vormund. Mindestens alle vier Wochen treffen sich Mündel und Vormund persönlich. Bis zur Volljährigkeit. Dann werden die Mündel „flügge“, stehen auf eigenen Beinen.

„Wenn ein Mündel Kontakt möchte, passiert es schon, dass sie sich auch über die Vormundschaft hinaus noch mal melden“, sagt Wilfried Berlin. Manchmal melden sich die ehemaligen Mündel, um Bescheide und Unterlagen anzufragen – „oder den Lebenslauf von der Bewerbung“, so Wilfried Berlin. Er hat sich in den vergangenen drei Jahren um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gekümmert, die Vormundschaft für sie übernommen. „Da gibt es noch ganz andere Fragestellungen“, sagt er. Vom Asylantrag über Abschiebeverbote, die Eingliederung, Sprach- und Alphabetisierungskurse bis hin zum Beschaffen von Dokumenten. Wilfried Berlin kennt die wechselvolle Gesetzeslage wie seine Westentasche.

„Flüchtlinge haben oftmals keine Eltern mehr“, sagt Wilfried Berlin. „Sie werden von Verwandten großgezogen, finden einen Schlepper und ziehen los. Ein Schulsystem kennen die meisten nicht. Wenn sie dann noch traumatische Erlebnisse verarbeiten müssen, wird es richtig schwierig“, blickt er auf seine Erfahrungen. Auch wenn er mit Übersetzern zusammenarbeitet: „Mittlerweile kenne ich die wichtigsten Floskeln“, sagt er und lacht.

Seine „Kinder“ erlebe er als offen und dankbar: „Manchmal glauben sie, der Vormund kann alles.“ Manchmal sind die jungen Leute auch nicht dafür gemacht, an einem Ort zu bleiben: Zwei seiner Schützlinge sind untergetaucht und offiziell vermisst gemeldet. „Einige haben einfach ein Talent dafür sich durchzuschlagen.“

Jubiläumsjahr

„Da sein, leben, helfen“ lautet das Motto des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Lippstadt. 2019 feiert der Verein das hundertjährige Bestehen. Rat und Hilfe, Schwangerschaftsberatung, Vormund- und Pflegschaften, der Pflegekinderdienst, Angebote der Kindertagespflege, das Wohnhaus Klusetor für Frauen in schwierigen Lebenssituationen, Familienbegleiter (LiFaBi), Ersatz-Großeltern (LiSeKind), die Bewohnerzentren Am Rüsing und an der Juchaczstraße, das Cap 27 – das Angebot des SkF ist breit gefächert. Wir stellen die Bereiche zum Jubiläum vor.