SkF Lippstadt
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Qualifizierung 2019

Lippstädter Tageszeitung "Der Patriot" vom 24.04.2019:

 Serie 100 Jahre SkF: Rat und Hilfe, Ehrenamt, Prozessbegleitungen – Unterstützung für Kind und Karriere
VON CAROLIN CEGELSKI

 

Lippstadt – Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, stellt Eltern vor Herausforderungen. Eine familienähnliche Betreuung, die sich an den Bedürfnissen des Kindes und des Familienalltages orientiert, ist die Kindertagespflege. Das Angebot – einst aus der Nische gestartet – boomt, wissen Anita Balkenhol und Dorothee Großekathöfer, die sich beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) um Beratung und Vermittlung von Tagespflegepersonen kümmern.

Vor 20 Jahren war alles anders. Damals listet der Sozialdienst katholischer Frauen zwei Tagesmütter. Doch Kindertagespflege boomt. „Bis 2014 ist das Angebot explodiert“, sagt Anita Balkenhol. Heute sind’s 50 Tagespflegepersonen. Männer und Frauen. Sie betreuen maximal fünf beziehungsweise neun Kinder, wenn es sich um sogenannte Tandems, eine Großtagespflegestelle, handelt. Über das Jahr verteilt kümmern sich die Tagesmütter und -väter in Lippstadt so um rund 350 Kinder. Die Jungen und Mädchen unter drei Jahren (seit 2013 hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz) werden im Schnitt ein bis anderthalb Jahre betreut, ehe sie in den Kindergarten gehen. Und das Angebot ist gefragt: „2018 ist es uns erstmals nicht gelungen, unterjährig zu versorgen“, sagt Balkenhol.

„Die berufliche Situation von Eltern hat sich geändert“, erklärt die Sozialpädagogin. „Nach einem Jahr Elternzeit wollen und müssen Eltern wieder arbeiten.“ Der Zwiespalt zwischen Kind und Karriere könne nur gelingen, wenn Eltern ihr Kind gut versorgt wissen, „wenn es fast so ist, als würden es die Eltern selbst machen“, sagt Balkenhol. Schließlich seien die Kinder unter drei Jahren in einer wichtigen Entwicklungsphase. „Viele Fortschritte müssen begleitet werden.“ Die Kinder benötigten einen „überschaubaren Betreuungsrahmen“. Hier könne die Kindertagespflege punkten. Damit das klappt, bringen Anita Balkenhol und Dorothee Großekathöfer „Topf und Deckel“ – Kinder und Tagespflegepersonen – zusammen, sind Ansprechpartner für beide Seiten, auch in Erziehungsfragen.

Kindertagespflege sei längst nicht mehr das „Lückenbüßermodell“, sondern ein Beruf mit Qualitätsanspruch, erklärt Dorothee Großekathöfer. „Tagespflegepersonen haben den Bildungsauftrag, jedes Kind individuell zu fördern“, ergänzt Anita Balkenhol. Um Kinder zu betreuen, haben sie mindestens einen Grundqualifizierungskurs (300 Unterrichtseinheiten) oder eine pädagogische Ausbildung absolviert, Fortbildungen und pädagogische Schulungen besucht. „Die Betreuungsqualität hat sich geändert, ist mit den Qualitätsansprüchen der Eltern gewachsen“, so Großekathöfer. Das Angebot der Kindertagespflege biete Kindern eine „gute, familiennahe Betreuung“, soziale Erfahrungen im Kontakt mit anderen Kindern und eine feste Bezugsperson, erklärt Anita Balkenhol.

Allerdings sei die Überschaubarkeit des Tagespflege-Angebotes auch der Knackpunkt: „Die Stärke ist die Achillessehne“, sagt Großekathöfer mit Blick auf Betreuungsausfälle, zum Beispiel dann, wenn Tagesmütter und -väter krank werden. Aus diesem Grund haben Lippstädter Tagespflegepersonen ein Modellprojekt („ein Novum im Kreis Soest“, so Großekathöfer) erarbeitet. Es soll „das Bedürfnis der Kinder nach Sicherheit und Vertrautheit und den Wunsch der Eltern nach Verlässlichkeit“ unter einen Hut bringen, erklärt die Heilpädagogin die Idee hinter dem Projekt „mobiler Stützpunkt“.

Start des Pilotprojektes ist am 1. August. An der Woldemei eröffnet dann der „mobile Stützpunkt“. Zwei Tagespflegepersonen kümmern sich dort dann regelmäßig um drei Kinder und übernehmen die Jungen und Mädchen anderer Tagesmütter im Krankheitsfall. Damit die Kinder wissen, wo sie dann betreut werden, haben sie zuvor die Möglichkeit, Angebot und Tagespflegepersonen kennenzulernen. „Die Testphase läuft zwei Jahre“, erklärt Dorothee Großekathöfer.

Jubiläumsjahr

„Da sein, leben, helfen“ lautet das Motto des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Lippstadt. 2019 feiert der Verein das hundertjährige Bestehen. Rat und Hilfe, Schwangerschaftsberatung, Vormund- und Pflegeschaften, der Pflegekinderdienst, Angebote der Kindertagespflege, das Wohnhaus Klusetor für Frauen in schwierigen Lebenssituationen, Familienbegleiter (LiFaBi), Ersatz-Großeltern (LiSeKind), die Bewohnerzentren Am Rüsing und an der Juchaczstraße, das Cap 27 – das Angebot des SkF ist breit gefächert. Wir stellen die Bereiche zum Jubiläum vor.

Spaziergang zur Aktionswoche

Der Bundesverband Kindertagespflege initiiert vom 6. bis zum 10. Mai zum zweiten Mal die Aktionswoche Kindertagespflege. Ziel der Aktionswoche ist es, die Kindertagespflege als Betreuungsform in die Öffentlichkeit zu tragen und darüber zu informieren. In Lippstadt organisieren die Tagespflegepersonen am Donnerstag, 9. Mai, um 15.30 Uhr einen Spaziergang über die Lange Straße. Start ist am Bürgerbrunnen. „Durch diesen Spaziergang als Gruppe zeigen die Lippstädter Tageseltern wie viele, wie bunt und vielfältig sie sind und machen auf sich aufmerksam“, heißt es in der Ankündigung.