SkF Lippstadt
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Qualifizierung 2019

Pressemitteilung zum Praxistag „Trauma, Gewalt, Bindung – wie eine bindungszentrierte Traumapädagogik helfen kann“ des SkF Lippstadt e.V. vom 02.07.2019

Sichere Bindung, deren neurobiologische Grundlagen sich in den ersten 2 Lebensjahren entwickeln, ist grundlegend für die weitere gesunde Entwicklung eines Kindes. Sie hilft, sich in emotionalen Anforderungssituationen selbst zu regulieren. So lernt z.B. ein Baby, dass es Zuwendung erfährt, wenn es allein nicht zurecht kommt: Es schreit und die Bezugsperson wendet sich zu und vermittelt Sicherheit. So kann das Baby sich in der Situation beruhigen, regulieren. Das Baby lernt, dass es auf Hilfe und Zuwendung bauen kann und nicht allein ist. Fehlt jedoch diese Zuwendung, fühlt das Baby sich unsicher und allein gelassen, was sich steigert bis hin zum Empfinden existentieller Bedrohung.

Konnte dieses Urvertrauen durch eine stabile Bindung in dieser frühen Lebensphase nicht entwickelt werden, wirkt sich das auf das spätere Leben des Kindes aus. Künftige bedrohliche Situationen können nicht entschärft werden, sondern führen zum Gefühl von Ausgeliefertsein, in denen das Kind sich „wegbeamt“, diese Situation ausblendet – dissoziiert.

Zusätzlich dramatisch wird es dann, wenn die wichtigen Bezugspersonen, die leiblichen Eltern, selber zur Bedrohung, zu Tätern werden. Dieses haben Pflegekinder häufig erleben müssen und Pflegefamilien müssen sich mit den Spätfolgen auseinandersetzen. Vermeintlich bockiges Verhalten ist kein normales Trotzverhalten; das Kind will nicht ärgern, sondern es beruht auf Überlebensstrategien, die das Kind aufgrund des erlebten Traumas entwickelt hat und die durch bestimmte Reize (Trigger) wieder aktiviert werden können. Das Kind wird in die traumatische Situation zurückversetzt und schaltet die Abwehrmechanismen, die seinerzeit das Durchstehen und Überleben der Situation ermöglicht haben. Fatal ist, dass Kinder auf Bezugspersonen angewiesen sind, auch wenn diese zu Tätern werden. Das Kind hat keine andere Wahl. Wie beim sog. „Stockholm-Syndrom“, nachdem sich Entführungsopfer vermeintlich mit dem Entführer solidarisieren, sind die Kinder an ihre Eltern angewiesen. Ein fataler Kreislauf, der nur durch den kompletten Schnitt, also die Herausnahme des Kindes aus der bedrohlichen Situation durchbrochen werden kann.

Auffälliges Verhalten eines Pflegekindes als Traumafolge zu erkennen und nicht als trotziges Verhalten einzuordnen und sanktionieren, ist wesentliche Grundlage für einen angemessenen und förderlichen Umgang mit dem Kind und ein großer Schritt. Dieses im Alltag und emotional hochkochenden Situationen im Blick zu behalten und dann rational und deregulierend zu reagieren, ist eine hohe Herausforderung an alle, die mit traumatisierten Kindern zu tun haben: Pflegefamilien, aber auch Fachkräfte im sozial-/pädagogischem Bereich.

Der diesjährige Fachtag des SkF bot hierzu theoretisches Hintergrundwissen zu neurobiologischer Entwicklung und der Entstehung von Trauma. Das Wissen um traumatische Erlebnisse, die Folgen auf das kindliche Verhalten und die Möglichkeit von Retraumatisierung im Alltag. Denn nicht jedes traumatische Erlebnis ist auch ein Trauma. Der Begriff wird im allgemeinen Sprachgebrauch sehr inflationär benutzt. Hier genau zu differenzieren und Tipps und Impulse für den alltäglichen Umgang mit traumatisierten Kindern setzte Lutz-Ulrich Besser mit seinem Vortrag an. 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Pflegeeltern und Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen Sozialer Arbeit verfolgten einen hoch informativen und mit praktischen Hinweisen sowie einigen Übungen gefüllten Tag im Cartec. Mit diesem 3. Fachtag endet zunächst die Reihe von Veranstaltungen des SkF Lippstadt zum Thema Trauma.

Das Skript von Herrn Besser ist unter diesem Link abrufbar: PDF.