SkF Lippstadt
Cappelstr. 27
59555 Lippstadt

Öffnungszeiten:
Mo-Fr      08.30 Uhr - 12.30 Uhr,
Mo/Di/Do 14.00 Uhr - 17.00 Uhr
und nach Vereinbarung

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Qualifizierung 2021

 

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Lippstadt am Sonntag, 06.12.2020

Er war von Anbeginn als ein Ort der Begegnung gedacht. Und das ist er auch geworden. Selbst in diesen Tagen, in denen die Corona-Regelungen noch einmal verschärft wurden. Das „Cap27“ des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) ist in den gut fünf Jahren seines Bestehens vor allem zu einem wertvollen Treffpunkt für Eltern mit ihren Kindern geworden. Das Ursprungskonzept dahinter: Die Herausforderung aus der Flüchtlingsentwicklung in Lippstadt annehmen und eine Brücke zwischen den Pastoralverbünden schlagen.
Zunächst für Flüchtlingsfamilien mit Kindern ohne Betreuungsplatz in Kita oder Kindertagespflege initiiert, heute für Familien mit Babys im ersten Lebensjahr oder Interessenten an gut erhaltener Kinderbekleidung im bestens sortierten Lädchen.
Das Cap27 steht aber für viel mehr. Hier kommen Frauengruppen zusammen und profitieren von einer praxisnahen Sprachförderung. „Einige haben in ihren Heimatländern Schulen besucht und können in ihrer Muttersprache lesen und schreiben. Andere hingegen können dieses nicht. Der Start mit deutscher Sprache ist für alle Neuland, zum Teil bedarf es der Alphabetisierung, da keine Vorkenntnisse im Umgang mit Sprache vorhanden waren“, erklärt Ute Stockhausen, seit bald 20 Jahren Geschäftsführerin des SkF in Lippstadt. In den Eltern-Kind-Gruppen haben Familien mit Migrationshintergrund bis 2019 erste Kontakte zur deutschen Sprache und Lebensart erhalten, und Kinder wurden sprachlich auf die Kita vorbereitet. Das Angebot war vor allem für Frauen relevant, weil sie wegen der Kinderbetreuung einen geringeren oder kaum Zugang zu den regulären Sprach- /Integrationskursen finden. „Für die Männer war dieser Weg stets schnell möglich, und so veränderten sich die Gruppen von Familiengruppen zu Frauengruppen“, schildert Stockhausen die Entwicklung. Heute verläuft die Sprachförderung sehr praxisbezogen und greift auch lebenspraktische Aufgaben zum Einkaufen, zum „System Deutschland“ oder der Erziehung auf. Fällt es Erwachsenen schwer, eine neue Sprache zu lernen, nehmen sie Kinder spielerisch an und auf. „Jedes Spiel wird so zu einem praktischen Spracherlebnis. Die Lerneinheiten werden häufig mit einer kulinarischen Reise um die ganze Welt beendet, wenn die Frauen gemeinsam ihre landestypischen Gerichte kochen. Ein weiteres Angebot im Rahmen der Sprachförderung findet ohne Kinder statt. Dank der Unterstützung durch zahlreiche Ehrenamtler bestehe die Möglichkeit, die Bildungsinhalte vielfältig zu gestalten und den unterschiedlichen Niveaus entsprechend zu begegnen, weiß die Geschäftsführerin des SkF. Die Eltern-Kind-Gruppen fördert das Land NRW bis Ende des Jahres. Es gibt nun ein neues Projekt: „International und stark – Frauen in Deutschland“ ist es überschreiben und startete Corona-bedingt verspätet erst im Juni und mit Einschränkungen. Das Angebot läuft zunächst ein Jahr und wird über den Armutsfonds des Diözesancaritasverband Paderborn finanziert. Im Fokus des Projektes stehen die Integration und gemeinsame Aktivitäten – so sie denn stattfinden können.
Das trifft auch auf andere regelmäßige Angebote im Cap27 zu. Etwa den Strickkreis, der üblicherweise montags mit bis zu 20 Personen zusammenführt. Hier wird für unterschiedliche Hilfsprojekte gestrickt: die SkF-eigene Schwangerschaftsberatung, den Verkauf im Lädchen, die Frühchenstation, Wohnungslose oder auch den Rumänien-Hilfstransport. Hier kommen die Sonntagsfrauen, ein Treff für Alleinerziehende mit ihren Kindern zusammen, hier gibt’s an den Krammarkt-Donnerstagen auch die Möglichkeit zu Frühstück und Begegnung, Stichwort: „Cap voll Kaffee“. Doch Corona trennt. Es bleiben die Sprachförderung und das Kleiderlädchen. Immer montags von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 10 bis 12 Uhr öffnet der SkF das Kinderkleider-Lädchen, das maßgeblich ein Wunsch der Schwangerschaftsberatungsstelle war.
Schon lange zuvor half der Sozialdienst Familien, die die Beratung besuchten, mit Secondhand-Kindersachen aus, doch ein geeignetes Umfeld dafür fehlte. Zwar lagen Jacken, Hosen, Schlafanzüge & Co. gut sortiert im Keller und wurden bei Bedarf hervorgeholt, aber das war eben nur zweckentsprechend, aber nicht ansprechend. Heute dagegen gibt es ein übersichtliches Warenangebot in einem netten Ambiente. Vom Start weg für Familien mit schlankem Budget gedacht, wurden die anfangs ausgegebenen Berechtigungskärtchen später wieder abgeschafft. Damit wurde der Einkauf für jedermann möglich und damit auch der Nachhaltigkeitsgedanke gestärkt. Auf dem Müll landet hier nichts, letzte Station ist Bethel. Die Bielefelder versorgen damit Bedürftige auf dem Balkan.
Nicht nur in der Weihnachtszeit eine gute Idee: In der SkF-Geschäftsstelle werden Einkaufsgutscheine verkauft, die dann verschenkt werden können und zum Wunscherfüller werden. Das Cap27 wäre nicht entstanden, hätte nicht eine zentrale Idee dahintergestanden: die Herausforderungen aus strukturellen Veränderungen in der Kirche und der seinerzeitigen Flüchtlingssituation miteinander zu verknüpfen.
Der Ansatz: „Wir starten ein innovatives Projekt im Rahmen der Flüchtlingshilfe als gemeinsame Aktion beider Pastoralverbünde mit Blick auf die gemeinsame Zukunft in der künftigen Struktur.“ In ersten Gesprächen unterstützten Vertreter der ehemaligen Pastoralverbünde Nord und Mitte die Idee zur Zusammenarbeit. Hinzu kamen die Nähe zum Übergangswohnheim für Flüchtlinge und Ausgabestellen der Lippstädter Tafel. Es war die Hoch-Zeit des Flüchtlingstracks nach Europa. Ein blitzschnell positiv beschiedener Antrag an den Flüchtlingsfonds des Erzbistums Paderborn bestärkte die Initiatoren in ihren Anstrengungen.
Das waren die geistliche Beraterin Irmgard Sandfort und Geschäftsführerin Ute Stockhausen, die sich zufällig in der Stadt begegnet waren und zwischen zwei Terminen bei einem Kaffee Pläne geschmiedet hatten. Mit Kollegen überdachten sie am nächsten Tag das Gesprächsergebnis und hielten fest: keine verrückte Spinnerei, sondern eine tolle Idee. Dass dann wie ein Geschenk auch noch das Ladenlokal im Erdgeschoss frei wurde, brachte weiteren Schub.